Entschließung von Klosterneuburg
Aus Sprachpflege.info
Wortlaut der Entschließung von Klosterneuburg für Deutsch als Wissenschaftssprache, bekanntgegeben vom Netzwerk Deutsche Sprache am 29. September 2003:
Mit großer Aufmerksamkeit beobachten die Sprachvereine die Abwertung unserer Muttersprache im Bildungswesen, im Hochschulbereich und in der Forschung.
Englisch gilt heute als die „internationale Wissenschaftssprache“, damit meint man die Sprache, in der alle Forscher kommunizieren und veröffentlichen müssen.
Wenn auch die internationale Veröffentlichungs- und Konferenzkommunikation sinnvollerweise in der jeweiligen international üblichen Verständigungssprache stattfinden sollte, so haben doch Denken, Arbeiten, Diskutieren, kreatives Forschen – auch international – keine Chance, wenn ihre Grundlage, die differenzierte, logische und hoch assoziative Muttersprache – Quell unserer Denkstruktur und unseres Weltwissens – aufgegeben wird.
Wir stellen daher folgende Forderungen:
- Die Wissenschaftsmedien im deutschen Sprachraum sollen wieder verstärkt Platz schaffen für deutschsprachige Veröffentlichungen diverser Fach- und Spezialgebiete.
- Gleichzeitig sollen die deutschsprachigen, von den öffentlichen Mitteln ihrer Länder finanzierten Forscher zumindest anwendungsorientierte Forschungsergebnisse nicht nur auf englisch, sondern wieder vermehrt auch auf deutsch publizieren, um z. B. dem Mittelstand, Hauptträger unserer Innovation und nicht zuletzt der Beschäftigung, den Zugang zu ihren Ergebnissen zu erleichtern.
- An die Politiker und Wissenschaftler appellieren wir, die Muttersprache im akademischen Bereich – und damit den freien Zugang zur Bildung für alle – nicht mutwillig der unbedachten Bevorzugung einer Fremdsprache zu opfern, die als Grundlage der Fachsprachen und der Wissenschaft im eigenen Sprachraum weniger gut geeignet ist. Es ist oft schwer genug, wissenschaftlich-technische Materien zu verstehen – wie viel schwerer ist es, dies noch dazu in einer Fremdsprache zu tun.
- Das Argument, dann müsse man eben die Fremdsprache noch ausschließlicher erlernen, führt letztlich zur Aufgabe unserer Muttersprache und Kultur und zwingt uns auf Jahrzehnte in politische und ökonomische Unterlegenheit (und auch Abhängigkeit) gegenüber dem englischsprachigen Raum.
Zusammengefaßt lautet unser Appell: Laßt uns unsere Muttersprache auch auf dem Gebiet der Wissenschaften bewahren und fördern!
