Sprachpflege

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Unter Sprachpflege versteht man die Bewahrung und Förderung einer richtigen, verständlichen, das Denken erleichternden, identitätsstiftenden, schönen und lebendigen Sprache in Wort und Schrift.[1] Reichtum und Verfeinerung des Ausdrucks, sowie die Ausrichtung am Angesprochenen oder Leser tragen zu einer gepflegten Sprache bei. „Echte Sprachpflege ist Denkpflege“.[2]

Inhaltsverzeichnis

Andere Bezeichnungen

Mit dem Wort Sprachpflege verwandt, doch nicht deckungsgleich, sind Bezeichnungen wie Spracharbeit, Sprachreinigung, Sprachkritik, Sprachkultur, Sprachkultivierung, Sprachbeobachtung, Sprachpolitik, Sprachlenkung oder Sprachplanung.

Die Bezeichnungen für Sprachpflege wandelten sich im Laufe der Zeit. Im 17. Jahrhundert hieß es „Spracharbeit“, im 18. Jahrhundert „Sprachreinigung“ und seit dem 19. Jahrhundert spricht man von „Sprachpflege“. „Sprachpurismus“ ist eine Bezeichnung des 17. und 18. Jahrhunderts für Sprachreinigung im weiteren Sinne.

Gegenwörter

Gegenwörter zur Bezeichnung Sprachpflege sind zum Beispiel Sprachschlamperei, Sprachverfall, Sprachverflachung, Sprachverschluderung, Sprachpanscherei, Sprachmischerei und so weiter.

Sprachpflege und Sprachwissenschaft

Aufgrund ihrer weitgestreckten Zielsetzung geht Sprachpflege über die schlichte sprachwissenschaftliche Beobachtung der Sprache hinaus. Berührungspunkte ergeben sich jedoch im Bereich der Angewandten Linguistik.

Ansatz

Sprachentwicklung

Sprachpflege geht von der Vorstellung aus, daß sich die Sprache strenggenommen nicht aus sich selbst heraus entwickelt, sondern von ihren Sprechern entwickelt wird.

Sprachprägung

Zwischen Senden und Empfangen von Sprache herrscht ein Ungleichgewicht. In der Regel nimmt nämlich der einzelne durch Lesen und Hören mehr Sprache auf, als er durch Sprechen und Schreiben abgeben kann. Somit gibt es Sprecher, die mehr oder weniger Menschen erreichen und entsprechend stärker oder schwächer den öffentlichen Sprachraum beeinflussen und dadurch die Sprache prägen und entwickeln.

Sprachverantwortung

Zu den stärksten Sprachprägern gehören Medien, große Unternehmen und die Politik, aber auch Erzieher, also zum Beispiel Schulen und Universitäten, Lehrer und Eltern. Sie alle stehen nach Meinung der Sprachpfleger in einer besonderen Verantwortung. Werden die Sprachpräger ihrer Verantwortung nicht gerecht, können sich Sprachpfleger herausgefordert sehen, auf Verfehlungen hinzuweisen, besonders, wenn die Verständlichkeit bedroht ist.

Sprachbewußtsein

Je größer das Verantwortungsgefühl der Sprachpräger, folglich deren Sprachbewußtsein ist, desto besser wird die Sprache weiterentwickelt. Oberstes Ziel der Sprachpfleger ist es deswegen, nicht nur das Sprachbewußtsein in der Sprachgemeinschaft, sondern gerade auch das Sprachbewußtsein der einzelnen Sprachpräger zu stärken.

Ein geschärftes Sprachbewußtsein schützt den einzelnen vor der unwillkürlichen Übernahme von Ausdrücken, welche der Verständigung und der Identität schaden.

Es gibt also sowohl das Sprachbewußtsein des einzelnen, als auch das der gesamten Sprachgemeinschaft. Sprachbewußtsein kann unterschiedliche Grade der Bewußtheit erreichen.

Spracherhaltung

„Pflege der Sprache ist Pflege der Verständigung und Überprüfung der Verständigungsmittel auf logische Stimmigkeit sowie auf Brauchbarkeit für demokratische Teilhabe an Angelegenheiten, die alle betreffen können. ... Langfristige Systemwandel können nicht Gegenstand der Sprachpflege sein, wohl aber Verstöße gegen das System, die aus Unwissenheit, Nachlässigkeit oder auch Modetorheit von Einzelnen begangen werden, wenn die Gefahr besteht, daß diese Einzelnen durch ihre Vorbildrolle oder bevorzugte Stellung in der Öffentlichkeit darin Nachfolger finden und so das System nachhaltig beschädigen.“[3]

Tätigkeitsfelder

Besondere Reibungspunkte der Sprachpflege heute sind Sprachvermischung (Denglisch) und die Rechtschreibreformen von 1996, 2004 und 2006.

Mittel

Die Mittel der Sprachpflege sind Aufklärung, Beratung und Unterricht. Das kann zum Beispiel über Ratgeber, Wörterbücher, Zeitschriften, Netzforen, Vereinstätigkeit, Auszeichnungen, Ermunterungs- und Beschwerdebriefe und öffentliche Äußerungen geschehen.

Neben der Anprangerung sprachlicher Fehltritte besteht eine andere Möglichkeit darin, vorbildlichen Sprachgebrauch besonders hervorzuheben. Ein Beispiel für Tadel ist die Wahl zum Sprachpanscher des Jahres oder die Sprachsünder-Ecke, ein Beispiel für Lob die Wahl zum Sprachwahrer des Jahres.

Gedenktage wie zum Beispiel der Tag der deutschen Sprache bieten die Möglichkeit, zu bewußtem Sprachgebrauch aufzurufen.

Organisierte Sprachpflege

Um Sprachpflege zielgerichtet betreiben zu können, haben sich zahlreiche Organisationen gebildet. Eine Reihe von Einrichtungen widmet sich der Sprachpflege. Dabei legen die einzelnen Organisationen unterschiedliche Schwerpunkte. Die ersten Vereinigungen entstanden in der Barockzeit. Während einstmals bedeutende Vereine wie der Allgemeine Deutsche Sprachverein wieder verschwanden, kam es um das Jahr 2000 zu einer großen Anzahl von Neugründungen.

Literatur

  • Albrecht Greule / Elisabeth Ahlvers–Liebel: Germanistische Sprachpflege. Geschichte, Praxis und Zielsetzung, Germanistische Einführungen in Gegenstand, Methoden und Ergebnisse der Disziplinen und Teilgebiete, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1986, ISBN 3-534-01753-6.
  • Heinz Dieter Pohl: Sprachpflege heute, Vortrag anläßlich der Fünfzig-Jahre-Feier der Wiener Sprachblätter und des Vereins Muttersprache, 7. April 2000.
  • Uwe Förster: Sprachpflege auf wissenschaftlicher Grundlage. Beiträge aus drei Jahrzehnten. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 3-411-71091-8.
  • Jochen A. Bär: Darf man als Sprachwissenschaftler die Sprache pflegen wollen? Anmerkungen zu Theorie und Praxis der Arbeit mit der Sprache, an der Sprache, für die Sprache, in: Zeitschrift für germanistische Linguistik 30 (2002), Seite 222-251.
    • Wolf Peter Klein: Darf man wirklich? Einwürfe zu J. A. Bär, Darf man als Sprachwissenschaftler die Sprache pflegen wollen?, in: Zeitschrift für germanistische Linguistik 30.3. (2002), Seite 396-401.

Nachweise

  1. Meyers Lexikon online (wurde zum 23. März 2009 eingestellt) definierte Sprachpflege als „Maßnahmen zum Erhalt und Ausbau einer Sprache unter Berücksichtigung von Sprachstruktur, Sprachgebrauch und Bedingungen sprachlicher Kommunikation mit dem Ziel einer optimalen Verständigung.“
  2. Werner Kügel: Echte Sprachpflege ist Denkpflege. In: Deutsche Sprachwelt 27, 1/2007, Seite 4.
  3. Pegnesischer Blumenorden: Zur Sprachpflege, Sprachausschußsitzung am 28. Januar 2004

Netzverweise

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