Straße der deutschen Sprache

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Die Straße der deutschen Sprache ist der Gedanke, Städte in Mitteldeutschland, die untrennbar mit der deutschen Sprachgeschichte verknüpft sind oder an denen die Sprache besonders gepflegt wird, miteinander zu verbinden. Dieser Gedanke geht von der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft (NFG) in Köthen/Anhalt aus.

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Inhaltsverzeichnis

Sinn und Zweck

Bereits am 12. November 2009 hatte Paulwitz zu diesem Thema bei der Aktion Deutsche Sprache in Hannover vorgetragen und über Sinn und Zweck einer solchen Straße der deutschen Sprache gesprochen:

So wie es in Deutschland mehr als 150 Ferienstraßen gibt – von der 1927 gegründeten Deutschen Alpenstraße bis zur 1.738 Kilometer langen Ferienroute Alpen – Ostsee, ferner zahlreiche romantische Straßen, Märchenstraßen, Weinstraßen oder gar, wie in Niedersachsen, Milch- oder Spargelstraßen -, so möchte Thomas Paulwitz, Chefredakteur der Deutschen Sprachwelt, auch eine „Straße der deutschen Sprache“ ins Leben rufen. Sie soll dazu dienen, „Neugier auf und Begeisterung für die deutsche Sprache zu wecken, um dazu beizutragen, dass die deutsche Sprache weiter blüht und gedeiht“. Das sagte Thomas Paulwitz beim letzten Sprachtreff der Aktion Deutsche Sprache im November 2009 in Hannover. Städte, die für die deutsche Sprache und Kultur prägend sind oder waren, sollen mit einander verbunden werden und den „Wanderern“ auf dieser Straße neben den Sehenswürdigkeiten auch die Schöpfer, Wahrer und Förderer der deutschen Sprache in den vergangenen Epochen in den jeweiligen Orten näher gebracht werden. Thomas Paulwitz schwebt vor, eine „Straße der deutschen Sprache“ zunächst, aus sprachgeschichtlich guten Gründen, auf Mitteldeutschland zu beschränken, wo die Wurzeln unseres heutigen Hochdeutschs liegen. Es geht um Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.[1]

Debatte

Am 16. Januar 2010, dem dritten Gründungstag der Gesellschaft, stellte in Köthen NFG-Vorstandsmitglied Thomas Paulwitz einer breiten Öffentlichkeit Einzelheiten vor, wie eine Straße der deutschen Sprache aussehen könnte. Dabei kam es zu einer regen Debatte:

Weg von der Tradition der Fruchtbringer hin zu Ideen für die Gestaltung einer erlebbaren Sprachwelt in Mitteldeutschland trat Thomas Paulwitz ans Rednerpult. Der Chefredakteur der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ und Vorstandsmitglied der NFG gab mit seinen Ausführungen zum Abschluss der Festveranstaltung Anlass zu einer hitzigen, wenn auch kurzen Debatte, die zweifellos eine Fortsetzung erfahren wird. Die Meinungen zu einer „Straße der deutschen Sprache“, so viel an dieser Stelle, gehen augenscheinlich weit auseinander. Während der eine gar vom „Tod des Konzeptes“ sprach, regten viele an, doch erst einmal anzufangen und die Idee voranzutreiben. Im Ansatz schlägt Paulwitz vor, analog zur Straße der Romanik oder der zahlreichen Weinstraßen eben eine „Straße der deutschen Sprache“ zu schaffen.[2]

Im Mittelpunkt der Diskussion steht der Vorschlag, daß die Straße zunächst nur auf Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) beschränkt sein soll.

Die Zuhörerschaft im Spiegelsaal ist um Kommentare zur vorgeschlagenen Route einer Straße der deutschen Sprache nicht verlegen. Man müsse sie als Kern sehen und von hier aus netzartig in die verschiedenen Regionen Deutschlands ausschwärmen, heißt es da. „Das ist eine schöne Sache“, findet zum Beispiel Vorstandsmitglied Hermann Neemann. Und: „Wir sollten erst einmal anfangen.“ Von „Mut zur Lücke“ ist die Rede. An anderer Stelle vom „Tod des Konzeptes“. Die Diskussionsbeiträge bestärken Paulwitz darin, weiter am Konzept zu feilen. Nur eines dürfe nicht passieren - nämlich das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren, das da heißt: „Neugier auf und Begeisterung für die deutsche Sprache zu wecken.“[3]

Matthias Bartl von der Mitteldeutschen Zeitung kommentiert:

Die „Trasse“ hat es geistig in sich: Sie führt von Schleiz über Weimar nach Eisleben und Köthen, von dort nach Bitterfeld-Wolfen und Wittenberg, nach Leipzig, Kamenz und Meißen. Sie führt von Duden über die Fruchtbringer zu Goethe und Schiller, zu Luther sowieso, zu Lessing, Gottsched und Reiner Kunze. Die Straße der deutschen Sprache existiert zwar vorerst nur auf dem Papier, aber an den für sie vorgesehenen Stationen lässt sich erkennen, dass in ihr mehr steckt als nur ein weiteres Eisen im Feuer des mitteldeutschen Fremdenverkehrs zu sein. Von der Straße der deutschen Sprache, von den Städten, die an ihr liegen, kann ein Ruf ausgehen. Nicht der Ruf nach der Erneuerung der deutschen Sprache, sondern vielmehr der Ruf nach dem Erhalt ihrer Reinheit und Klarheit. Das ist durchaus nicht fundamentalistisch gemeint. Sprache wird immer neu gestaltet, nimmt auch Anleihen bei anderen Sprachen. Aber nur dort, wo es absolut unumgänglich ist, und nur in einem Maße, das eine Gefährdung der deutschen Sprache ausschließt. Letzteres ist längst nicht mehr ausgeschlossen, wenn man die Flut der Anglizismen registriert, die auch dort Anwendung finden, wo es absolut unnötig ist. Dagegen einen Damm zu bauen, indem man aktiv den richtigen Gebrauch der deutsche Sprache fördert, ist eine Aufgabe, der man sich in den Orten der Straße der deutsche Sprache zu stellen verpflichtet fühlen sollte. Und Anhalt-Bitterfeld kann dabei - auch aus der Tradition und der Geschichte heraus - eine Vorreiterrolle zuwachsen.[4]

Nachweise

  1. Rolf Zick: Informationen: „Straße der deutschen Sprache“, Netzauftritt der Aktion Deutsche Sprache.
  2. Sylke Hermann: Fürst-Ludwig-Haus als Anlaufpunkt für Lesepaten, in: Mitteldeutsche Zeitung, 17. Januar 2010.
  3. Sylke Hermann: Mit Mut zur Lücke auf der Spur der deutschen Sprache. Thomas Paulwitz von der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen stellt das Projekt einer Rundreise zu sprachpflegerischen Bedeutsamkeiten vor., in: Mitteldeutsche Zeitung, 20. Januar 2010.
  4. Matthias Bartl: Dammbau, in: Mitteldeutsche Zeitung, 20. Januar 2010.

Veröffentlichungen

  • Sylke Hermann: Mit Mut zur Lücke auf der Spur der deutschen Sprache. Thomas Paulwitz von der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen stellt das Projekt einer Rundreise zu sprachpflegerischen Bedeutsamkeiten vor, in: Mitteldeutsche Zeitung, 20. Januar 2010.
  • Straße der deutschen Sprache: Paul Gerhardts Stadt empfiehlt sich, in: Mitteldeutsche Zeitung (Elbekurier), 3. Februar 2010.
  • Diskussion über „Sprach-Straße“, in: Sächsische Zeitung, 19. Mai 2010.
  • Thomas Paulwitz: Straße der deutschen Sprache, in: Centaur 4/2010, Seite 72-74.
  • Uli Drescher: Duden macht den Anfang. In Schleiz könnte die „Straße der deutschen Sprache“ beginnen, in: Ostthüringer Zeitung, 12. Juni 2010.

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