Verein für Sprachpflege Hamburg
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Der Verein für Sprachpflege Hamburg bestand zwischen 1963 und 2002. Er wurde unter anderem von dem Deutschlehrer Heinrich Heeger (1917 bis 1985) gegründet, der bis kurz vor seinem Tod auch das Amt des Vorsitzenden ausübte. Das Hauptziel des Vereins waren das Ersetzen von Fremdwörtern durch deutsche Ausdrücke und die Pflege der Frakturschrift.
Inhaltsverzeichnis |
Vorgeschichte
Heinrich Heeger wurde in Nordböhmen geboren. In seiner Kindheit prägten zwei Dinge seine Einstellung zur Sprache: erstens der Sprachkampf zwischen der tschechischen Mehrheit und der deutschen Minderheit; zweitens die Mitgliedschaft des Vaters im Allgemeinen Deutschen Sprachverein (ADSV).[1]
Heeger war vor der Gründung des Vereins für Sprachpflege Hamburg Vorsitzender des Hamburger Zweigvereins der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) und damit Mitglied des Gesamtvorstands. Die GfdS entfernte sich als Nachfolgerin des ADSV jedoch immer weiter von der Tradition. Heeger beklagte die Abkehr vom Ziel der Reinheit der deutschen Sprache und von der Frakturschrift. Auch die Dudenredaktion ersetzte seit der 14. Auflage des Rechtschreibwörterbuchs von 1958 die deutschen Grammatikausdrücke durch Fremdwörter (Pronomen statt Fürwort, Adverb statt Umstandswort, Komma statt Beistrich). Das sind Gründe, warum Heeger und zwei weitere GfdS-Mitglieder einen neuen Verein gründeten und sich die GfdS später vom Hamburger Verein für Sprachpflege distanzierte. Ziel des neuen Vereins war es, als „geistige Nachfolgevereinigung“ das Werk des ADSV weiterzuführen.
Tätigkeit
Der Verein gab in einer Auflage von bis zu 6.000 Stück die Zeitschrift „Der Sprachpfleger“ heraus. Sein Leitspruch war der des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins: „Kein Fremdwort für das, was deutsch gut ausgedrückt werden kann“. Zwischen 1963 und 1970 verkaufte der Verein rund 70.000 Aufkleber mit diesem Spruch. Seit Winter 1971 nannte sich der Verein auch Hamburger Verein für Sprachpflege.
Der Verein unterhielt die Zweigvereine Rhein-Main und Südost.
Ende des Vereins
Auf der Mitgliederversammlung am 9. November 1985, die in Erlangen stattfand, legte Heinrich Heeger das Amt des Vorsitzenden nieder. Als Grund nannte er seinen schwachen Gesundheitszustand. Nachfolger wurde der damals 69jährige Karl Teubner, der seinen Wohnsitz in Brüssel hatte, wo er bis zu seiner Pensionierung als Übersetzer und Überprüfer der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gearbeitet hatte. Die Versammlung wählte Heeger einstimmig zum Ehrenvorsitzenden.
Nach Heegers Tod erlahmte die Tätigkeit des Vereins. Unter dem Vorsitzenden Mathias Weifert kam es Ende der 1980er Jahre zu Brüchen im Verein. Ein Teil der Mitglieder arbeitete im „Bund für deutsche Schrift“ weiter, der sich in der Folge 1989 in Bund für deutsche Schrift und Sprache umbenannte. Somit stand der Hamburger Verein für Sprachpflege kurz vor der Auflösung. 1991 übernahm allerdings der Zweig Rhein-Main unter Christoph Schallert die Vereinsführung, um das Erbe Heegers fortzuführen. Ende 1993 folgte die Pfarrerin Gabriele Staffel im Vorsitz. Der Vereinssitz wurde nach Mainz verlegt. Die Beziehungen zum Bund für deutsche Schrift und Sprache verbesserten sich wieder. Gemeinsam gaben 1993 die beiden Vereine in einer Neuauflage das Buch „Von deutscher Sprache und Schrift“ von Hans Riegelmann heraus. Der Aufschwung war jedoch nicht von langer Dauer. 1995 gab der Verein seine Rechtsfähigkeit auf. Ein Wiederbelebungsversuch von 1999 durch neue Kräfte scheiterte an bürokratischen Hürden, 2002 wurde der Verein aufgelöst.
Der im Jahr 2000 gegründete Verein für Sprachpflege mit Sitz in Erlangen führt die Tradition des Hamburger Vereins für Sprachpflege fort, jedoch mit einem breiteren Ansatz und ohne die puristische Ausrichtung des Vorgängervereins. Der Hamburger Verein übertrug ihm die Rechte an der Zeitschrift „Der Sprachpfleger“.
Siehe auch
Nachweis
- ↑ Johann Karl Teubner: Ein Leben für die deutsche Sprache: Heinrich Heeger, in: Der Sprachpfleger 87 (1/1986), Seite 1075-1077.
Netzverweise
- Mathias Weifert: Zur 20. Wiederkehr des Todestages von Heinrich Heeger (1917–1985), in: Die Deutsche Schrift, 4/2005, Seite 2-7.
- Gleichgültig, leider (Vereine/Sprachpflege), in: DER SPIEGEL 46/1970 vom 09.11.1970, Seite 114.
